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Sonntag, 20. Mai 2012
 
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Steckbrief Keuchhusten

Keuchhusten - was ist das?

Immer mehr Erwachsene erkranken an der vermeintlichen Kinderkrankheit Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) ist eine durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöste, hoch ansteckende Infektionskrankheit der Atemwege, die in der Regel mehrere Wochen bis Monate dauert und durch quälende Hustenattacken gekennzeichnet ist. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind die Symptome häufig untypisch, so dass die Diagnose oftmals erschwert ist. Bei Säuglingen können lebensbedrohliche Atemstillstände auftreten. Um einer Erkrankung frühzeitig vorzubeugen, wird die Impfung bereits für Säuglinge empfohlen (siehe auch Kinderkrankheiten). Um noch ungeimpfte Säuglinge vor einer Ansteckung zu schützen und für sich selbst einer Erkrankung vorzubeugen, wird auch eine Impfung für alle Erwachsenen empfohlen.

Fakten

  • mit 500.000 Toten pro Jahr weltweit eine der häufigsten Todesursachen bei
    Kindern
  • in Deutschland erkranken inzwischen hauptsächlich Erwachsene
  • an Keuchhusten kann man wiederholt erkranken
  • für alle Erwachsenen (einmalige Auffrischimpfung ), Frauen im gebärfähigen
    Alter (Auffrischimpfung alle 10 Jahre) und alle Kontaktpersonen von
    Säuglingen (Auffrischimpfung alle 10 Jahre) übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung

Verbreitung und Ansteckung

Keuchhusten ist weit verbreitet

Bordetella pertussis, der Erreger des Keuchhustens, kommt weltweit vor
Genaue Angaben über die Zahl der Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland
liegen nicht vor, da es keine bundesweite Meldepflicht für Keuchhusten laut
Infektionsschutzgesetz gibt. Die Regelung der Meldepflicht ist Ländersache. Bei einer Studie aus den Jahren 2001-2004 stellte sich jedoch heraus, dass von 974 Erwachsenen, die länger als sieben Tage gehustet hatten, jeder zehnte Keuchhusten hatte. Hochgerechnet entspricht das bundesweit rund 100.000 Erkrankungsfällen pro Jahr. Offizielle Zahlen liegen beispielsweise für die neuen Bundesländer vor.


Der Erreger des Keuchhustens wird von Mensch zu Mensch übertragen
Der Erreger des Keuchhustens ist das Bakterium Bordetella pertussis (B. pertussis). Er vermehrt sich auf der Schleimhaut der Atemwege und wird von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion übertragen. Eine infektiöse Person kann innerhalb eines Abstandes von ca. einem Meter das Bakterium durch Husten, Niesen, Sprechen aber auch beim Küssen übertragen. Auch infizierte Menschen ohne Symptome der Keuchhusten-Erkrankung können vorübergehend Träger des Bakteriums sein. Sie erkranken selbst nicht, können den Erreger aber weitergeben.


Mit Keuchhusten ist man unbehandelt lange ansteckend
Die Zeit zwischen dem Kontakt mit dem Erreger und den ersten Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt 7-20 Tage. Danach können Patienten bis über 5 Wochen hinaus ansteckend sein. Erkrankte sollten unbedingt ärztlich behandelt und nach Abklingen der Erkrankung alle 10 Jahre immunisiert werden.

Symptome

Wie äußerst sich Keuchhusten?
Der Begriff Keuchhusten beschreibt das charakteristische Merkmal dieser
Infektionskrankheit: den heftigen stakkatoartigen Husten. Diesem folgt ein ziehendes und keuchendes Einatmen. Oft husten die Erkrankten Schleim aus oder müssen sich nach einer Hustenattacke erbrechen. Begleitend können Atemnot bis hin zum lebensbedrohlichen Atemstillstand auftreten. Bei Jugendlichen und Erwachsen verläuft die Erkrankung oftmals milder, der klassische „Keuch"-Husten fehlt häufig, führendes Symptom ist ein lang anhaltender Husten.


Der Krankheitsverlauf wird in 3 Stadien unterteilt.
Die drei klassischen Stadien einer Keuchhusten-Erkrankung sind:

  • 1. Stadium: Kennzeichnend sind grippeähnliche Symptome wie Schnupfen
    und Schwäche, jedoch kein oder nur mäßiges Fieber. Der Husten ist zunächst
    nur leicht ausgeprägt.
  • 2. Stadium: Typischerweise kommt es zu anfallsweisen, sich steigernden
    Hustenattacken („Stakkatohusten“: Hörbeispiel "Sounds of Pertussis"), die von ziehendem Einatmen gefolgt
    werden, auf das nach einigen Sekunden ein weiterer Hustenanfall folgt
    („Reprise“). Während oder am Ende des Hustenanfalls kommt es häufig zum
    Hervorwürgen von zähem Schleim und anschließendem Erbrechen. Der
    Patient erleidet im Durchschnitt 40-50 Anfälle täglich, die gehäuft in der Nacht auftreten. Die Körpertemperatur ist normal oder nur leicht erhöht.
  • 3. Stadium: Die Hustenanfälle nehmen allmählich ab.


Darüber hinaus besteht das Risiko, dass sich ein durch den Keuchhusten bereits geschwächter Patient mit weiteren Keimen infizieren kann. Eine sogenannte „Superinfektion“ kann z. B. zu einer Mittelohr- oder einer Lungenentzündung führen, besonders häufig ist dies bei Säuglingen der Fall.

Auch wenn die Erkrankung bei Erwachsenen in der Regel milder verläuft als bei
Kindern, so treten bei etwa jedem vierten Patienten Komplikationen auf. Dazu zählen Gewichtsverlust, Leistungsminderung, Lungenentzündung und selten Krampfanfälle oder Gehirnblutungen. Zudem kann es durch die starken Hustenanfälle zu Rippen und Leistenbrüchen kommen.

Diagnose

Wie wird Keuchhusten festgestellt?
Der Begriff Keuchhusten beschreibt das charakteristische Symptom der Erkrankung: Ein heftiger bellender, stakkatoartiger Husten, gefolgt von einem ziehenden, keuchenden Einatmen. Allerdings tritt die im Kindesalter klassisch ausgeprägte Symptomatik bei Erwachsenen oft nur in abgeschwächter Form auf. Keuchhusten ist daher oft nur schwer zu diagnostizieren. Besteht wegen eines lang anhaltenden Hustens im Erwachsenenalter der Verdacht auf eine Keuchhusten-Infektion, sollte als nächstes der Erreger im Rachenabstrich oder im Blut nachgewiesen werden.

 

Behandlung

Wie wird Keuchhusten behandelt?
Wenn es zu einer Keuchhusten-Erkrankung gekommen ist, müssen Erkrankte und
enge Kontaktpersonen vorsorglich mit einem Antibiotikum behandelt werden. So
lässt sich die Ansteckungsgefahr für Säuglinge und Kleinkinder verringern. Da die
antibiotische Therapie in der Regel nicht früh genug eingesetzt wird, können Dauer und Heftigkeit der Hustenattacken oft nicht wesentlich beeinflusst werden.

 

Vorbeugen ist besser als Behandeln
Auch bei Keuchhusten gilt: Vorsorgen ist besser als Behandeln. Impfungen im
Säuglingsalter zur Erlangung der Grundimmunität und anschließende regelmäßige
Auffrischungsimpfungen, wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen, können Schutz vor der Erkrankung bieten.

 

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