Impfen und Kollektivschutz
Die meisten Impfungen schützen nicht nur den Geimpften selbst, sondern auch andere. Von der so genannten Herdenimmunität, d.h. dem Infektionsschutz gegen einen Krankheitserreger innerhalb einer Population, profitieren beispielsweise Säuglinge, die noch zu jung sind, um geimpft zu werden. Von einer Herdenimmunität spricht man, wenn ein ausreichender Anteil an Menschen geimpft ist und sich der Erreger nicht mehr ausbreiten kann. Der Erreger wird nicht weitergetragen und somit die Infektionskette unterbrochen. Auch bestimmte chronisch kranke Menschen, die aufgrund ihrer verminderten Immunabwehr nicht gegen alle Krankheiten geimpft werden können, werden durch geimpfte Mitmenschen geschützt – ebenso wie Impfgegner.
Länder mit einer hohen Durchimpfungsrate weisen, vor allem über einen längeren Zeitraum betrachtet, wesentlich niedrigere Neuerkrankungsraten auf als Länder mit einer niedrigeren Durchimpfungsrate. Beispielsweise wurden in Finnland, das wie die anderen skandinavischen Länder eine hohe Durchimpfungsrate aufweist (ca. 98 Prozent), seit 1996 lediglich vier
importierte Masern-Fälle gemeldet. Durch sinkende Durchimpfungsraten treten mittlerweile gefährliche Infektionskrankheiten immer wieder auf. So gab es beispielsweise 2010 in Europa (WHO-Region) erstmals wieder Poliofälle, obwohl diese Region im Jahre 2002 als poliofrei zertifiziert wurde.
Gesellschaftlicher Nutzen
Das Eindämmen von infektionsbedingten Krankheiten:
- Entlastet Arbeitgeber durch Reduzierung von krankheitsbedingten Fehlzeiten am Arbeitsplatz, z.B. durch Eindämmen der Influenza
- Reduziert elterliche Freistellungsanträge wegen krankheitsbedingt notwendiger Kinderbetreuung
- Eltern haben Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber auf bis zu zehn
Tage bezahlte Freistellung pro Jahr und Kind; Alleinerziehende
sind einem Paar gleichgestellt (Freistellungsanspruch 20 Tage/Jahr)
Ökonomischer Nutzen
Die Kosten für Impfungen sind in der Regel geringer als die Behandlungskosten bei Krankheitsausbruch
- die durchschnittlichen Kosten pro Masernfall betragen in Deutschland 263 Euro; das sind die Kosten, die pro verhüteten Masernfall eingespart werden könnten.
- die Impfung gegen Keuchhusten senkt die Behandlungskosten in Deutschland um mehr als 200 Millionen Euro/Jahr
- Kosten-Nutzen-Verhältnis Masern-Mumps-Röteln-Impfprogramm in den USA: Der monetäre Nutzen aus Sicht des Gesundheitswesens ist ca. 14mal höher als die Alternative „kein Impfprogramm“
DE00957