Schwangere sollten sich jetzt vor Grippe schützen

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(dgk) Schwangere sind durch eine echte Grippe, eine Influenza, besonders gefahrdet. Bei ihnen kommt es haufiger zu Komplikationen wie beispielsweise einer Lungen- entzundung. Das kann negative Folgen sowohl fur die Schwangere als auch fur das Kind haben. Eine Grippe während der Schwangerschaft erhöht das Risiko sowohl für eine Früh- als auch für eine Totgeburt. Schwangeren Frauen wird daher seit 2010 von der STIKO die Grippeimpfung empfohlen.

 

Viele Schwangere sind nicht ausreichend geschützt
Doch der Apell bleibt oftmals unerhört: In der Saison 2012/2013 war nur knapp ein Viertel der Schwangeren geimpft. Viele der Schwangeren wussten laut Umfrage nicht, dass sie sich impfen lassen sollten, anderen fehlte das Vertrauen in die Impfung. Auch die Sorge, eine Impfung wahrend der Schwangerschaft könne schaden, spielt anscheinend eine Rolle.[1]

Sicherheit der Grippeimpfung in der Schwangerschaft
Die Frage nach der Sicherheit einer solchen Impfung ist natürlich maßgeblich. Doch es gibt viele Untersuchungen, die die Sicherheit belegen. So auch eine aktuelle Studie aus Norwegen: Dort wurden während der Pandemie im Zeitraum von 2009 bis 2010 mehr als 25.000 Schwangere, die sich im 2. oder 3. Schwangerschaftsdrittel befanden, gegen Grippe geimpft.[2] Eine Auswertung von Daten aus den allgemeinen norwegischen Registern zu Schwangerschaften, Influenza-Impfungen, Influenza-Infektionen und Fehl- und Totgeburten vor, während und nach der Pandemie zeigt: Erkrankte eine Schwangere an Influenza, führte die Infektion zu einem erhöhten Risiko von Fehl- oder Totgeburten. Eine Grippeimpfung schützte die Schwangeren effektiv, sie konnte das Risiko für eine Erkrankung deutlich verringern. Und die Impfung erwies sich als sicher: Sie führte weder zu einem geringen Geburtsgewicht, noch zu einem niedrigeren APGAR-Wert, einem gehäuften Auftreten von Frühgeburten oder fetalen Todesfällen. Die Bedeutung der Grippeschutz-Impfung für Schwangere wird auch durch eine aktuelle texanische Studie belegt. Sie zeigt, dass die Influenzaimpfung die Frühgeburtenrate senkt und werdende Mütter, die sich gegen Influenza haben impfen lassen, ihre Kinder seltener tot zur Welt bringen.[3]

Überschießende Immunreaktion bei Influenza
Amerikanische Forscher haben erst kürzlich Hinweise dafür gefunden, warum eine Grippe bei schwangeren Frauen häufig schwerwiegender verläuft, als bei anderen.[4, 5] Bestimmte Immunzellen der Schwangeren reagieren auf Influenzaviren übermäßig stark. Sie schütten Botenstoffe aus, welche die Entzündungsreaktionen verschärfen. Durch eine starke Entzündung kann die Atmung beeinträchtigt werden, was erklären könne, warum Schwangere bei einer Influenza ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen haben, so die Wissenschaftler.

Fazit
Es gibt keine Hinweise für schädigende Wirkungen auf den Fetus, wenn die Mutter gegen Influenza geimpft wird. In Anbetracht des Risikos, das eine mütterliche Influenzainfektion sowohl für die Mutter als auch für das Ungeborene darstellt, gibt es keinen Grund, schwangere Frauen nicht gegen Influenza zu impfen. Neugeborene profitieren von der Impfung ihrer Mutter zusätzlich dadurch, dass über die Plazenta Antikörper von der Mutter an das Kind weitergegeben werden, die dem Neugeborenen einen gewissen Schutz in den ersten Monaten nach der Geburt verleihen.[6]

 


Impfempfehlung Influenza & Schwangerschaft

  • Bei den in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffen für Erwachsene handelt es sich um Totimpfstoffe. Eine Impfung ist daher grundsätzlich in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO die Impfung dennoch erst ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel. Damit soll verhindert werden, dass die im 1. Schwangerschaftsdrittel häufiger auftretenden Spontanaborte fälschlicherweise mit der Impfung in Verbindung gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden. Das wird übrigens grundsätzlich mit allen Impfungen so gehandhabt.
  • Schwangere Frauen, bei denen aufgrund einer chronischen Grunderkrankung eine zusätzliche Indikation zur Influenza-Impfung besteht, sollten unabhängig vom Schwangerschaftsstadium geimpft werden.
  • Eine Impfung ist auch während der Stillzeit sinnvoll und erfordert keine Stillpause.

Quellen:
1. Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des Paul-Ehrlich-Instituts und der Arbeitsgemeinschaft Influenza, vom 23.9.201
2. Siri E. Håberg et al.: Risk of Fetal Death after Pandemic Influenza Virus Infection or Vaccination; New Engl. J. Med. 368:333-340 24.1.2013 DOI: 10.1056/NEJMoa1207210
3. Sheffield, J. S. et al.: Effect of Influenza Vaccination in the First Trimester of Pregnancy; Obstet. Gynecol. 120: 532-7, 201
4. Alexander W. Kaya et al.: Enhanced natural killer-cell and T-cell responses to influenza A virus during pregnancy; PNAS online veröffentlicht am 27.8.2014, doi: 10.1073/pnas.1416569111
5. Pressemitteilung des Stanford Medicine News Centers / U.S.A. vom 22.9.2014: Immune response turned up high by flu during pregnancy, Stanford/Packard study finds http://med.stanford.edu/news/all-news/2014/09/immune-response-turned-up--not-down--by-fluduring-pregnancy--st.htm
6. Warum wird die saisonale Influenzaimpfung auch für Schwangere empfohlen? http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/FAQ03.html